Gastbeiträge

In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht Neues Wirtschaftswunder Gastbeiträge renommierter Experten zu aktuellen Themen der sozial-ökologischen Transformation.

Die Natur als Subjekt und Objekt

Von Johann Graf Lambsdorff, Passau

Natur in der Form von Ökosystemen inklusive der darin eingelagerten Treibhausgase hat derzeit eine unklare rechtliche Stellung. Ist Natur nur Mittel oder auch Zweck? Hat sie einen Preis oder ist ihr Wert nicht derart zu bestimmen? Dient sie nur dem Menschen oder hat sie eine darüberhinausgehende Rechtsposition? Hierzu gibt es widerstreitende Ansichten. Eine Klärung könnte wesentlich zu Bekämpfung des Klimawandels beitragen.

Als Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen vermag ein Witz dienen. Zwei Juristen machen eine Fahrt mit dem Heißluftballon über Wiesen, Gehöfte, Forstwälder, Dörfer und belebte Städte. Kurz vor der Landung fragt der junge Reisende den älteren Emeritus, was der denn wohl, über Gebäuden und Menschen der Stadt schwebend, gesehen habe. Die Antwort: „Was wohl, Herr Kollege? Rechtssubjekte und Rechtsobjekte!“ 

Diese Aufteilung der Welt in Subjekte und Objekte findet sich ähnlich in den Wirtschaftswissenschaften als Wirtschaftssubjekte und Vermögensobjekte. Mit Subjekten sind Personen gemeint, die Rechte und Pflichten eingehen, die vor Gericht als Partei auftreten und in eigenem Namen klagen dürfen, die bindende Verträge eingehen dürfen, die niemals nur als Mittel, sondern immer als Zweck guter Regeln und guter Politik anzusehen sind und denen daher niemals ein Preisschild anhaftet. Auf der anderen Seite stehen Objekte, die stets einer Person gehören sollten, die als Mittel zum Zweck dienen, die sich bewerten und handeln lassen und nutzbringend eingesetzt werden sollten.

Unsere Ballonreisenden haben die Welt in ihre Kategorien eingeteilt. Wie hätten sie aber, über einem Urwald, einem Ökosystem oder einem Moor schwebend, diese einstufen wollen? Wie sollte die Rechtsstellung von eingelagerten Treibhausgasen sein, die sich in Wäldern, Böden und Feuchtgebieten finden? Sollten sie als Objekt einen Preis bekommen und gehandelt werden können oder sind sie mehr als ein Mittel zum Zweck?

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Über unseren NWW-Gastautor: Johann Graf Lambsdorff ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftstheorie an der Universität Passau. Im Jahre 1995 begründete er den Corruption Perceptions Index, den er bis 2008 für Transparency International erstellte. Graf Lambsdorff ist global ausgewiesen mit Arbeiten zur Korruptionsforschung, Institutionenökonomik und experimentellen Ökonomik. Kontaktadresse: Innstrasse 27, D-94032 Passau, jlambsd@uni-passau.de.

Verantwortung im globalen Lieferkettenmanagement

Von Horst Lautenschläger, Herne

Eine nachhaltige sozial-ökologische Transformation erfordert einen Blick über den Tellerrand hinaus. Unsere Verantwortung endet nicht an unserer Landesgrenze. Bisweilen wird uns das grausig vor Augen geführt, wie zuletzt in Form der humanitären Katastrophe in den Flüchtlingslagern in Griechenland. Die ist nicht erst durch den horrenden Brand in Moria entstanden. Die kollektive Unfähigkeit Europas, unserer gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden, erzeugt bei uns vom Neuen Wirtschaftswunder Gefühle zwischen Sprachlosigkeit, Scham und Entsetzen.

Die wirkungsmächtigen Bilder aus Lesbos dürfen aber keinesfalls dazu führen, dass uns das Bewusstsein für unsere Verantwortung für Wohlfahrt und Menschenwürde fernab Deutschlands verloren geht. In unserer globalisierten Welt haben selbst unsere alltäglichen Konsumentscheidungen Auswirkungen auf das Wohlergehen von Frauen, Männern und Kindern tausende von Kilometern entfernt. Viele Produkte und Dienstleistungen, die wir tagtäglich konsumieren, basieren auf Geschäftspraktiken, die allzu häufig Menschenrechte beschneiden oder unumkehrbare Umweltschäden hervorrufen.

All dies geschieht regelmäßig, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Oder sein können: denn wie sollen wir auch zuverlässig die Produktionsbedingungen fernab der Heimat entlang der Lieferkette bewerten können? Wobei es auch bei größerer Nähe nicht einfach zu sein scheint, die wahren Verhältnisse zu erkennen, wie „Kaiser“ Franz Beckenbauer (wir gratulieren zum 75. Geburtstag) offenbarte, als er die Arbeitsbedingungen der Fremdarbeiter in Katar auf den Baustellen für die Fußballweltmeisterschaft nur scheinbar fachkundig kommentierte: „Ich hab’ nicht einen einzigen Sklaven in Katar g’sehn! Die laufen alle frei ‘rum, weder in Ketten gefesselt noch mit irgendeiner Büßerkappe am Kopf.”

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Über unseren NWW-Gastautor: Horst Lautenschläger ist Trainer für Logistik und Zoll. Langjährige internationale Tätigkeit für Industrie- und Handelsunternehmen in verschiedensten Branchen. Ehemals Gutachter für die Weltzollorganisation, Mitglied im Zollarbeitskreis des VDMA, im Verkehrsausschuss der IHK Mittleres Ruhrgebiet etc. Organisator von Menschenrechtsarbeit als Gründungsmitglied von Amnesty International Bochum. Autor von „Lieferketten gestalten statt verwalten (Risiken eindämmen, Effizienz erhöhen, Leidensdruck verringern)“, Bundesanzeiger Verlag, Köln 2016.