Die Natur als Subjekt und Objekt – Gastbeitrag von Johann Graf Lambsdorff

Berlin, 24.03.2021.

Natur in der Form von Ökosystemen inklusive der darin eingelagerten Treibhausgase hat derzeit eine unklare rechtliche Stellung. Ist Natur nur Mittel oder auch Zweck? Hat sie einen Preis oder ist ihr Wert nicht derart zu bestimmen? Dient sie nur dem Menschen oder hat sie eine darüberhinausgehende Rechtsposition? Hierzu gibt es widerstreitende Ansichten. Eine Klärung könnte wesentlich zu Bekämpfung des Klimawandels beitragen.

Als Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen vermag ein Witz dienen. Zwei Juristen machen eine Fahrt mit dem Heißluftballon über Wiesen, Gehöfte, Forstwälder, Dörfer und belebte Städte. Kurz vor der Landung fragt der junge Reisende den älteren Emeritus, was der denn wohl, über Gebäuden und Menschen der Stadt schwebend, gesehen habe. Die Antwort: „Was wohl, Herr Kollege? Rechtssubjekte und Rechtsobjekte!“ 

Diese Aufteilung der Welt in Subjekte und Objekte findet sich ähnlich in den Wirtschaftswissenschaften als Wirtschaftssubjekte und Vermögensobjekte. Mit Subjekten sind Personen gemeint, die Rechte und Pflichten eingehen, die vor Gericht als Partei auftreten und in eigenem Namen klagen dürfen, die bindende Verträge eingehen dürfen, die niemals nur als Mittel, sondern immer als Zweck guter Regeln und guter Politik anzusehen sind und denen daher niemals ein Preisschild anhaftet. Auf der anderen Seite stehen Objekte, die stets einer Person gehören sollten, die als Mittel zum Zweck dienen, die sich bewerten und handeln lassen und nutzbringend eingesetzt werden sollten.

Unsere Ballonreisenden haben die Welt in ihre Kategorien eingeteilt. Wie hätten sie aber, über einem Urwald, einem Ökosystem oder einem Moor schwebend, diese einstufen wollen? Wie sollte die Rechtsstellung von eingelagerten Treibhausgasen sein, die sich in Wäldern, Böden und Feuchtgebieten finden? Sollten sie als Objekt einen Preis bekommen und gehandelt werden können oder sind sie mehr als ein Mittel zum Zweck?

Für ein vertiefende Betrachtung über die Bestrebungen, Natur eine Rechtspersönlichkeit zu geben, empfehlen wir den lesenswerten NWW-Gastbeitrag von Johann Graf Lambsdorff, den Sie hier finden: https://neues-wirtschaftswunder.de/publikationen/gastbeitraege

Beitragsfoto:  Pablo Fierro auf Unsplash